Home Mobil   Home PC   nächste Seite

Kleine haarige Geschichte 56

Ein Junge mit blonden langen Haaren.


Vorwärtslink: Blonde lange Haare 02

Blonde lange Haare 01

Er hatte lange Haare. Nicht, dass dies etwas absolut Besonderes wäre, Langhaarige gab es hier und dort schon mal.
Meistens waren sie Außenseiter, die damit ihre Besonderheit pflegten. Na ja, die Anderen hatten auch so ihre Art, Besonderheiten auszudrücken.

Augustes zum Beispiel, der hatte Löcher im Ohr, da passte ein Suppenteller hindurch.

Und Jenaita mit ihren Nasenringen ... es erinnerte ihn ein wenig an einen  ... nein, nein, so etwas denkt man nicht. Sie hatte sehr lange Haare, na ja, an der einen Kopfseite zumindest ... Sonst sah sie ziemlich glatt rasiert aus.

Ein Hybrid?

Wenn man Glatzen und super lange Haare auf diese Weise zusammen bringen will ...

Aber nicht alle waren so exentrisch. Es gab einige Mädchen mit natürlichen langen Haaren. Davon sogar zwei in ihrer Naturfarbe.

Von den 300 Mädchen.

Anita konnte ihren Hintern hinter den Haaren verstecken. Und Jasita passte in die Rolle einer Lady Godiva. Nein, nein, nackt lief sie hier nicht herum. Und Pferde gab es hier auch nicht.

Aber manchmal waren dort Theaterveranstaltungen, und da konnte so manch einer seine Besonderheiten ausleben.

Die Rocky Horror Picture Show zum Beispiel. Oder das Musical Hair ... das war dann aber doch eher ein Perückenpop Ereignis.

Wo sollte man auch die ganzen langhaarigen Jungen her nehmen?

Einige ließen sich die Haare zwei Jahre lang wachsen, so lange dauerten die Proben. Ein bisschen erinnerte das an Oberammergau, der Haar- und Barterlass zu den Passionsspielen.

Nicht der bei der Bundeswehr in den 70ern.

Und Jesus Christ Superstar? Nein, dann sehen die alle wie Jesus aus.

Lange Haare bei Jungen galten als Anachronismus. Überholt, aus einer Zeit, in der die Zivilisation noch in ihren Anfängen steckte.

Und das hier? Wir werden den Schulhof noch genauer kennen lernen.

Astor war ein Junge mit langen blonden Haaren, gerade mal 14 Jahre jung. Er trug die Haare in zwei dicken langen Zöpfen und er zeigte sie auch. Sie reichten ihm bis zu den Kniekehlen.

"Astor, Du siehst aus wie ein Mädchen."

Wirklich? Wieviele Mädchen mit so langen Haaren gab es hier denn?

"Ja, und Mädchen sind doch sehr schöne Menschen."

"Sie sind Weicheier."

"Was bitte ist ein Weichei? Willst Du mit männlicher Stärke und Dominanz argumentieren?"

"Mädchen sind schwach. Wenn Sie Probleme haben, weinen sie."

"Und tun das Jungen nicht auch, manchmal?"

"Nein, Jungen weinen nicht."

"Da habe ich schon andere Sachen erlebt."

"Warum widersprichst Du mir dauernd. Soll ich Dir eine in die Fresse hauen?"

"Ich kann mich verteidigen. Meine Note in Sport ist eine 1 und ich habe Erfahrung mit Selbstverteidigungstechniken."

Immerhin war Egon, nein, Leon der Zweite, zwei Jahre älter als er.

"Na, dann wollen wir doch mal sehen."

Plummmps. Verdutzt fand sich Leon der Zweite auf dem Boden liegend wieder, und er wusste gar nicht, wie er dort hin gekommen war.

"Eben stand ich doch noch."

"Nein, Du bist wie ein wilder Primat auf mich eingestürzt."

...

Damit war die Sache erst einmal erledigt. Astor seufzte. Wie vielen musste er noch beweisen, dass er sich körperlich nicht klein machen lies? Offenbar brauchten die anderen das, um sich orientieren zu können, welche Rolle sie nun auf dem Schulhof einnehmen sollten.

Wie eine Horde Hühner, die sich eine Hackordnung schufen. Hühner, nein, das waren meistens Jungens. Die Mädchen hatten andere Rituale, die auch nicht unbedingt schöner waren.

Noch ein Jahr, dann war es erst einmal vorbei.

Und dann?

Wir werden sehen.

...

Diese ständigen Raufereien nervten ihn. Gab es gar keine andere Möglichkeit zu lernen, miteinander auszukommen? Nun, wenigsten brauchte er davor keine Angst zu haben. Er hatte es einmal mit der Vierergang zu tun bekommen. Sie ließen ihn jetzt in Ruhe. Das sprach sich herum. So pflegte er doch ein eher beschauliches Dasein.

Er war glücklich mit seinen langen Haaren, er liebte sie geradezu. Allmählich wurden sie auch von seiner Umgebung akzeptiert. Es gab sogar bereits ein paar Jungen, deren Haare etwas länger waren als die Alltagsnorm vor schrieb.

Die Mädchen mochten seine langen Haare. Manchmal nahmen sie ihn mit, in ein heimliches Versteck. Sie spielten dann mit ihren Haaren und ganz besonders mit seinen.
Und dort erlebte er Jasita als Lady Godiva. Es blieb nicht nur beim Angucken ...

In der Schulklasse saß er jetzt zwischen den Mädchen und niemand störte sich daran.
Nicht einmal der Schulrat. Für den waren ohnehin alle Langhaarigen Mädchen.

Nun, der hatte ihn gar nicht als Jungen erkannt.

Merkwürdige Fragen tauchten nun auf. Ob er nicht das Geschlecht wechseln wolle?
Nein, warum das denn? Er war glücklich mit allem, was er hatte.

Wenn ihn das Militär einkassieren würde war es zu Ende, mit den langen Haaren.
Dafür hatte er noch ein paar Jahre Zeit. Und dann? Wolle er nicht die Haare mit dem Erreichen der Volljährigkeit abschneiden? Mit kurzen normalen Haaren einen neuen Lebensabschnitt beginnen?

Als normaler Soldat?

Ende der Diskussion. Noch war es nicht so weit. Vorher konnte er noch eine Ausbildung machen oder ein Gymnasium besuchen. Bis zum Abitur hatte er dann vielleicht seine Ruhe.


Valid HTML
          4.01 Transitional


nächste Seite