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Hairflower 11

Hairflower hilft den Verlorenen.


Hairflower und Enna

"Enna, was siehst Du dort unten?"

"Ich ... ich sehe Welten, sie sind alle ein wenig verschieden. Nein, manche sind ganz anders. Und diese eine Welt, über die unsere Wolke schwebt."

"Belassen wir es zunächst einmal bei dieser Welt. Gefällt sie Dir?"

"Die Welt ist schön, aber manchmal... Warum gibt es so viel Zerstörung?"

"Zerstörung kann etwas Neues bewirken. Sie verhindert manchmal einen Stillstand."

"Einen Stillstand? Es ist doch so alles voller Leben ... aber diese vielen Feuer, ausgelöst durch Vulkane, Trockenheit, und ... Kriege. Warum? Dient das wirklich der Vermeidung von Stillstand? Ich sehe das Leiden der Wesen, die dabei umkommen. Es ist die Hölle, und sie haben sie nicht bestellt."

"Da hast Du recht. Lass uns die Dinge daraufhin betrachten, wo wir helfen können."

...

"Hairflower! Dann hilf doch allen! Es gibt so viele, die Deiner Hilfe bedürfen!"

"Enna, wenn ich allen helfe, dann auch denen, die vielleicht gar keine Hilfe wollen. Weißt Du, was passiert, wenn ich allen helfe, ohne sie zu fragen?"

"Ich ... ich weiß es nicht."

"Es könnte das Ende sein. Viele würden dann nur noch auf die Hilfe vertrauen und die eigene Anstrengung einstellen. Es wäre ein Paradies der Empfänger. Aber damit würde auch die Entwicklung enden, der Widerstand gegen Ungerechtigkeit, der Wille sich durchsetzen zu wollen ... denn es ist ja schon alles erreicht, machbar, was mühsam erkämpft werden muss. Das Ergebnis ist der Tod."

"Hairflower. Es ist so schwierig mit Dir. Du hast alle Macht der Welt ... aber Du argumentierst dagegen, sie zu benutzen. Weißt Du, wie sehr ich meine Arianne vermisse? Sie ist nicht hier ... ich vermisse sie so ..."

Enna begann zu weinen.

Jamina nahm sie in ihren Arm.

"Bitte, liebe Enna, bitte weine nicht. Wir werden einen Weg finden ... Du bist nicht allein, allein mit Hairflower. Wir sind auch noch da."

Hairflower wirkte ein wenig ratlos. Ob sie Enna zurückbringen sollte? Vielleicht, vielleicht würde ihr doch jemand helfen, wenn sie nicht dabei war. Trotz ihrer Allmacht konnte sie nicht alles voraussehen, was andere Wesen so machen würden. Und wenn sie nicht dabei war, der Ausgang war dann ungewiss. Zumindest in dieser Welt, in diesem Zeitstrom, in dieser Parallelität.

Und sie mochte diese eine Welt ... Ein Blick in die Zukunft? Dann war sie für sie determiniert. Jede Änderungen wäre dann ein Paradoxon,
das sie erst einmal in den Griff bekommen musste.

...

Friedrich: "Hairflower? Warum ist Arianne nicht hier?"

Hairflower: "Dafür bin ich hier. Es ist schwierig mit zwei ultimativen Göttern an einem Ort. Alle Quantenzustände der uns umgebenden Welt sind bereits durch mich besetzt."

Janina: "Quantenzustände? Du besetzt Quantenzustände?"

Hairflower: "Ich bin hier. Und da ich mich mitteilen will ... benutze ich dafür die Quantenzustände der Welt."

Enna: "Nun gut. Es darf also nur Eine hier sein. Und was ... was können wir jetzt tun?"

...

H: "Enna, frag bitte nicht, was wir tun können. Was möchtest Du? Willst Du zurück, an Deinen Ursprung? Dann sag es. Willst Du hier bleiben, bei mir? Dann sehe und handele."

E: "Handeln? Ich kann doch nur beobachten. Oder ... sollte der Kontakt mir Dir ..."

H: "Der Kontakt mit mir, er hat auch Konsequenzen. Du bist nicht mehr so machtlos, wie Du Dich fühlst."

...

Kommandant Isegrimm hob seinen Arm. Wenn er ihn wieder sinken lies, würden zwanzig Gewehre feuern. Auf die in einer Reihe an der Wand stehenden Verurteilten.

Was haben sie getan?

Sie folgten dem falschen Glauben. In dieser Welt gab es nur den einen Gott. Und seine heiligen Schriften besagten, dass die Feinde des Glaubens bekämpft werden müssen. So stand es geschrieben und so würde es geschehen. Bis nur noch die einzig wahren Gläubigen seiner Allherrlichkeit dienen dürfen.

Aber ... warum dachte er überhaupt so etwas. Musste er sich vor seinen eigenen Gedanken rechtfertigen? Er lies den Arm sinken.
Nein, das war nur eine Absicht. Die Signale seines Gehirns erreichten den Arm nicht mehr. Stromunterbrechung. Der Arm blieb wo er war.

Er konnte nur noch denken, was er wollte, es aber es nicht mehr tun.

Und die Gravitation? Hätte der Arm nicht einfach herunterfallen müssen?

Ja, die Gravitation, und wenn sie sich nicht mehr mitteilen kann?

...

Die Schützen hinter den Gewehren. Allmählich wurden sie unruhig. Nun stand dort der Kommandant bereits seit 20 Stunden mit erhobenem Arm. Müdigkeit, Hunger und Durst stellten sich ein. Aber niemand wagte seinen Platz zu verlassen.

Und die 20 Delinquenten. Sie standen dort und rührten sich nicht. Eigentlich hätten sie schon zusammenbrechen müssen, in Anbetracht dessen, was man ihnen alles angetan hatte. Oder einfach umfallen. Aber nichts geschah. Sie standen dort, in ihrer Nacktheit. Man konnte die Wunden sehen, hervorgerufen durch Folter, Schläge, Peitschenhiebe ... Aber ... was geschah dort. Die Wunden bildeten sich zurück!

Das konnte doch nicht mir rechten Dingen zugehen.

Nun standen sie da, in ihrer perfekten, natürlichen Schönheit.

Nun denn, wenn der Kommandant zu Stein geworden war, und von seinen Offizieren, Unteroffizieren, Feldwebeln etc. war auch nichts mehr zu sehen. Schon merkwürdig. Als wenn sie sich alle in Luft aufgelöst hätten. Warum also sollte man weiter hier ausharren, hinter den Gewehren? Man muss die Dinge eben so nehmen, wie sie sind. Da es keinen Befehlsgebenden mehr gab, machten sich die Schützen einfach davon.

Ja, die Menschen sind eben anpassungsfähig, auch an das, was eigentlich nicht sein kann.

...

Ein Regenbogen bildete sich, ein Farbenspiel von vollendeter Schönheit. Und er endete genau vor den 20 Verurteilten.

Nun sah er aus wie ein Vorhang aus lauter farbigen Strähnen. Sie sahen aus ... wie Haare. Haare, die bis in die Wolken reichten. Das mussten kilometerlange Strähnen sein.

Die Haare bildeten eine Figur. Sie sah aus .. wie eine Tardis. Eine Tardis aus alten Fantasiefilmen. Das musste schon mehr als 150 Jahre her sein, aber die Gedanken daran, sie waren immer noch da. Dann öffnete sich die Tür der Tardis und eine Frau mit super langen Haaren kam heraus. Die Haare hüllten sie vollständig ein. Ob darunter Kleidung war, man konnte es nicht sehen.

Es schien eine Verbindung zu geben, zwischen den Haaren des Wesen und denen, die aus der Wolke gefallen waren.

"Nein, ich bin nicht der Doktor. Ich habe mir diese Idee nur geliehen. Ich bin Enna, eine Gefährtin von Hairflower. Ihr könnt nach Hause gehen. Alle Erinnerungen an Euch wurden von Hairflower instrumentalisiert, in den Gehirnen derjenigen, die Euch schaden wollen und die Euch geschadet haben. Sie sind nicht mehr in der Lage, Euch wahrzunehmen, wenn ihr es nicht wollt. Ihr könnt einfach nackt durch die Straßen gehen und niemanden wird das auffallen."

"Danke, dass Du uns hilfst, Enna. Aber was ist mit uns geschehen? Wir haben keine Schmerzen mehr und unsere Wunden, sie sind weg. Unsere Körper, sie sehen so wunderschön aus. Das kann doch nicht real sein."

"Doch, das ist es. Wenn ihr schon gerettet werdet, warum soll der Erretter dann euer genetisches Potential nicht voll ausschöpfen? Ihr seht jetzt so aus, wie es nur sein kann. Geht einfach nach Hause und versucht der Welt zu helfen, sie zu verändern und zu verbessern, so wie Euch geholfen wurde. Die Natur um euch herum, sie wird euch beschützen. Denn ihr wisst ja bereits, wenn ihr nicht wahrgenommen werden wollt, niemand kann Euch sehen oder berühren. Und das gilt auch für Kugeln und Granaten, falls sie jemand auf Euch abfeuern sollte."
...

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