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Hairflower 18

Ein Pfarrer auf Wolke 7.

Der Pfarrer

<< Silkas Haare sind aus der Wolke gefallen! >>

Ein Schrei des Entsetzens auf Wolke 7. Alle blickten nun nach unten.

Die Haare hatten eine Priester unter sich begraben.

Nein, ernsthaft verletzt war er nicht. Die Haare bestimmten ihr Gewicht selbst, aber ein bisschen war es schon so, als wäre ein großer Heuhaufen über ihn hereingefallen.

Der auch noch bis zum Himmel emporragte.

Als ob dort oben jemand Heu kehren würde ...

Frau Holle vielleicht? Nein. Sie bringt den Schnee. Außerdem ist das ein Aberglaube, ein Märchen, nichts Wirkliches, Fantasie ...

Ja ja, schon gut.

Mühsam befreite sich der Pfarrer aus dem Heu. Und dann sah er, was er nicht sehen sollte.

Das war gar kein Heu. Es sah aus wie Haare ... und sie ragten steil nach oben, bis zu einer weißen Wolke. Haare mit einer Länge von mehr als 3 Kilometern ???

Eine Sinnestäuschung! Pfarrer Urheilig kramte sein Gebet Buch hervor. Die heilige Schrift, in der für alles und jedes eine Erklärung gefunden werden konnte. Aber ... er konnte nichts finden. Nicht einmal die spirituelle Intelligenz des Alphabets half ihm weiter. Kein neuer Paragraph, kein Gleichnis ... nichts, das ihm weiter half. Vielleicht sollte er das acht und zwanzigste Gebet zum heiligen Regenbogen sprechen, der den Himmel mit der Erde verband ...

Nein. Das war kein Regenbogen. Die Haare waren real, sie ließen sich anfassen und fühlten sich an wie Haare ... nur ... mit einem mal ... wo waren sie geblieben?

Sie bewegten sich nach oben. Nein, die wollte er nicht einfach fahren lassen. Geschwind griff er mit beiden Händen fest zu ... und verlor den Boden unter den Füßen.
...

Schweben im Raum ... die Haare wickelten sich um seine Hände und hielten ihn fest. Dann schufen sie ihm eine Art Stuhl, auf dem er sitzen konnte. Was für Haare! Dort unten sah er seine Kirche und die Gläubigen auf der Straße. Angst hatte er keine. Er genoss den Flug sogar. Wenn Gott ihm diese Fahrt in den Himmel schenken wollte ... er murmelte ein Gebet und stieß durch die weiße Wolkenpracht.

Er befand sich nun auf einer Art weißer Wiese. Seine Füße fanden halt, er fiel nicht hindurch, durch die Wolke. Und er sah Menschen, Menschen die völlig nackt waren!
Manche umarmten und küssten sich. Und ... nein, das sah er nicht!

Bei Sodom und Gomorra.

"Was ist denn das hier für ein Sündenpfuhl?"

Strafend blickte er auf die Bevölkerung der weißen Wolke, die sich ihm offenbarte. Lauter nackte Menschen, kein bisschen Schamgefühl. Das ziemte sich nicht. Der Mensch hatte bekleidet zu sein, damit er sich von den nackten wilden Tieren unterscheiden möge.

Als wenn die vielen Haare nicht fast alles verbergen würden ... Aber was ein Pfarrer sehen will, das sieht er dann auch.

Vielleicht eine Art Röntgenblick durch die Haare hindurch?

<< Soll das denn der einzige Unterscheidungsgrund sein? >>

"Was für eine Frage! Der Mensch ist Gottes Werk und er hat sich so zu benehmen, dass er Gott wohl gefallen möge."

<< Schuf Gott nicht den menschlichen Körper in all seiner Schönheit, damit er sich ihm offenbaren möge? >>

Was waren das denn für Gedanken. Er dachte nach. Nein, Nacktheit führte zur Lust und zu animalischen Exzessen. Orgien. Was er hier sah, das war eine einzige Orgie! Nein, mit dem reinen Geist eines Vernunft behafteten Wesens war das nicht zu vereinbaren.

<< Und wie führt die reine Vernunft zur Fortpflanzung der Wesen, die unter ihrer Kleidung doch völlig nackt sind? >>

Was war das nur für eine Art von Kommunikation? Keiner sagte etwas und doch gab es Gedanken, die sogar miteinander wechselwirkten. Telepathie? Das war strengstens verboten! Das Lesen von Gedanken war Gott vorbehalten! Und der Mensch war nicht Gott!

Der Sündenpfuhl wird wohl immer tiefer. Erst Nacktheit, dann Telepathie, was kommt wohl als Nächstes?

Hexen, das waren alles Hexen. Wie sonst konnten sie auf einer Wolke leben ... und harmlose Pfarrer mit einer Haarsträhne einfangen!

Hexen! Pah. Das war doch eher eine Rapunzel, die ihre Haare hat hängen lassen.

Eine Rapunzel? Das waren hunderte. So viele Haare! Aber Rapunzel konnte doch nicht zaubern und Telepathie kam in dem Märchen nicht vor.

Die Haare der Rapunzel, sie hatten Magie in sich. Und Haare sind doch keine Hexen, oder?

Also ist dies hier nicht die Hölle?

Nein, es der Turm der Rapunzel. Als weiße Wolke dargestellt.

Das erklärt natürlich vieles ...

Aber diese Nacktheit, das konnte er nicht dulden!

"Zieht Euch etwas an. Seid züchtig und habt Achtung vor einem Vertreter Gottes."
...

Silka, Friedrich, Venus und Allala nun gut bekleidet.

Silka: "Herr Pfarrer, sind wir Euch so genehm?"

Pf: "Wohlgekleidet seid ihr, die Haare fest gebunden. Die Länge gestutzt ... ihr habt Euch die Haare geschnitten. So seid ihr mir genehm."

Fr: "Nein, die Haare haben Magie in sich. Sie können sich zusammenziehen. Wir wollen Deine Empfindungen nicht verletzen und so präsentieren wir uns so, wie es Dir genehm ist."

Pf: "Dann ist es an der Zeit, dass ihr Eure Sünden beichtet und ich werde Euch dann eine Absolution erteilen."

Silka: "Unsere Sünden? Wir sehen uns nicht in Relation zu Deiner heiligen Schrift. So wie wir Dich akzeptieren und auf Deine Bedürfnisse eingegangen sind, erwarten wir das Gleiche von Dir."

Pf: "Ihr habt Gottes Gesetze verletzt und die sind allgemein gültig, für alle Wesen."

Fr: "Es ist Deine Vorstellung von Gott, die hier greifen will. Es ist nicht unser Gott."

Pf: "Ihr könnt Euch ihm nicht entziehen."

Allala: "Deine Religion gehöre Dir. Wir wollen uns nicht daran orientieren. Wenn Du das nicht akzeptieren kannst, dann endet auch unsere Kommunikation. Wir bringen Dich zur Erde zurück und dort magst Du weiterleben, wie Du es für richtig hältst. Dir wird dann einiges entgehen. Wir offenbaren es Dir nur, wenn Du Deine Einstellung änderst."

Pf: "Nein, ich bin was ich bin, und ich glaube an Ihn, den einzigen, wahren Gott. Die Wolke, ich werde mich daran erinnern. Oder könnt ihr mir die Erinnerung nehmen?"

Silka: "Wir könnten es, aber wir wollen es nicht. Soll die Welt doch Kenntnis von uns haben. Wir wollen ihr nicht schaden."

Ob die Welt ihm glauben wird? Unwahrscheinlich, eher werden viele an seinem Verstand zweifeln. Wahrscheinlich wird er durch eine Offenbarung seiner Erlebnisse der eigenen Religion mehr schaden, als ihr nutzen.
...

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