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Hairflower 20

Zu Besuch bei Hairflower auf Wolke 7 - Teil 2.

Ein Flugzeug auf Wolke 7 - Teil 2

Es war kalt auf Wolke 7. Schneeflocken wirbelten durch die Luft. Tränen wurden zu Eiskristallen.

Pfarrer Unheilig kehrte in das bewusste Sein zurück. Er weinte. Kleine Eiskristalle lösten sich aus seinen Augen.

Bürgermeister Gartenzaun sah ganz traurig aus.

Bürgermeister: "Musste das sein?"

Hairflower: "Er hat die Wahrheit gesucht und gefunden. Sie wird ihm weiterhelfen und sie hat ihm nicht geschadet."

Bürgermeister: "Woran sollen wir noch glauben, wenn die Wahrheit so schrecklich ist?"

Hairflower: "Viele Menschen vertragen die Wahrheit nicht. Sie glauben lieber an die Lüge."

Bürgermeister: "Und ihr Leben, ist es eine Lüge?"

Hairflower: "Menschen können nur einen Teil ihrer Umwelt begreifen. Sie sind eingebettet in Strukturen, die durch ihre Vergangenheit aufgebaut wurden.
Das Erkennen ist bereits durch die Vorgeschichte gefiltert und verliert sich oft in Banalitäten, die als wichtig erachtet werden aber bedeutungslos sind.
Nur ganz wenigen ist es möglich, darüber hinaus zu gehen. Trotzdem gelingt es ihnen, ihre Art zu erhalten, weniger mit Intelligenz, oft aus einer animalischen
Triebhaftigkeit heraus. Aus meiner Sicht ist dies ein wirkliches Phänomen, das diese Spezies betrifft. Eine Schlussfolgerung der Art, der Evolution liegt nichts an Intelligenz, ist
allerdings falsch. Es kann Milliarden Jahre dauern, bis wirklich etwas Bedeutendes zustande kommt. Die Kosmologie hat im Großen sehr viel Zeit zur Verfügung, mehr als sich in Zahlen
fassen lässt. Es wird den Menschen vielleicht gelingen, denn sie sind nicht allein."

Bürgermeister: "Höhere Wesen?"

Hairflower: "Ja. Eines davon steht direkt vor Dir."

Bürgermeister: "Und das Besondere in der Menschheit, sind es die Genies?"

Hairflower: "Manchmal ja, aber nicht immer. Die Allgemeinheit kann Genialität gar nicht erkennen, da sie ihr nicht folgen kann."

Bürgermeister: "Dann stimmt das vielleicht gar nicht, was uns die Genies vermittelt haben?"

Hairflwoer: "Manchmal stimmt es, manchmal nicht. Es ist mehr der Glaube an das Geniale, dass den Menschen Zuversicht gibt. Es ist ähnlich wie der Glaube in einer Religion."

Bürgermeister: "Die heiligen Bücher ... enthalten sie die Wahrheit? Es gibt ja kaum jemanden, dem ich diese Frage stellen kann."

Hairflower: "Sie fassen Beobachtungen zusammen, die von Menschen gemacht worden sind. Der Versuch einer Spiritualisierung. So gibt es Bücher, die stellen den Mann vor die Frau.
Außerhalb der menschlichen Spezies geschieht dies z.B. in Gruppen von Schimpansen. Wenn dass die Wahrheit wäre, dann entfernt sich der Mensch nicht von diesen Gruppen, er gleicht sich
ihnen an."

Pfarrer Unheilig: "Das tun wir nicht."

Hairflower: "Die Vorstellung von Gleichheit ist vorhanden, aber die Umsetzung funktioniert nicht. Es gibt in ihrer Kirche keine weiblichen Pastoren. Das ist eine Ausgrenzung der halben
Menschheit. Die Ausgrenzung unterscheidet sich in nichts von der Vorstellung, der Mann kommt vor der Frau."

Bürgermeister: "Und die anderen Religionen?"

Hairflwoer: "Manche zelebrieren das Gebot der Reinheit. Der Unreine darf die heiligen Hallen nicht betreten. Wobei der Reine sich für wichtiger hält, weil er die Rituale eingehalten hat
oder weil ihn das Schicksal von der Unreinheit verschont hat. Dadurch findet wieder eine Ausgrenzung derjenigen statt, die nicht in das Gruppenkonzept passen."

Pfarrer Unheilig: "Das sehen wir etwas anders."

Hairflower: "Ihr bezieht Euch auf eine Tradition, die zweifelhaft ist. Viele haben darunter gelitten und sie verflucht.
Ich habe Dir das Diabolische in der Religion gezeigt und es hat weh getan.

Nicht die Größe des Domes ist für das Lobpreisen eines Gottes wichtig, es ist die ganz individuelle Einstellung des einzelnen Menschen. Der Reichtum der Kirche wurde
zusammengerafft, wie der Reichtum der Milliardäre oder der Mafiosi. Es gibt keinen Gott, der darin etwas Besonderes sehen könnte.
Darin eine Lobpreisung Gottes zu sehen ist Blasphemie, eine Beleidigung des allgegenwärtigen göttlichen Atems.
Mit dem Glauben an Gott hat das wenig zu tun. Es ist nur das individuell Spirituelle, das Bedeutung erlangen kann."

Bürgermeister: "Siehst Du Gott individuell?"

Hairflower: "Genau das ist das Besondere am Glauben. Jeder kann unmittelbar Kontakt zu seinem Gott aufnehmen, ohne dass er einen Prediger benötigt oder sich an Rituale halten müsste."

Pfarrer Unheilig: "Und ... kommen wir dann zu Dir?"

Hairflower: "Wenn ihr das wollt ... aber die meisten kennen mich doch gar nicht. Ihr könnt zur Venus beten und sie wird Euch zuhören.
Seht, sie steht direkt neben mir ... auf Wolke 7 ist das möglich. Oder betet zur Aphrodite, wenn Euch das lieber ist. Vielleicht wird sie Euch erhören, das liegt nicht in meinem Ermessen.

Oder betet zu einem Gott, so wie ihn Euch Euer Gefühl vermittelt. Ob ihr Euch dadurch auf eine Tradition bezieht oder nicht, es ist unwesentlich.
Ihr macht keine Fehler dabei. Die Angst vor einem Gott ist die Angst vor seinen menschlichen Vasallen. Niemand braucht vor seinem Gott Angst zu haben. Nur eins müsst ihr bedenken, es ist Gottes Wille, ob er Euch erhört und nicht der Eurige. Wenn ihr Eurem Gott zürnen wollt, ist es nur das Schicksal, mit dem ihr hadert. Damit könnt ihr ihn nicht erreichen. Und noch eins ist wichtig, kein Gott segnet die Kanonen eines Feldherren oder lässt sich einspannen in Intrigen und Machtspielereien.
...

Pfarrer Unheilg: "Dann gibt es keine Dämonen, die wir fürchten müssen? Keine Götter oder Göttinnen des Diabolischen?"

Hairflower: "Es gibt höhere Wesen, die sich ihrer annehmen. Aber ihr solltet die Dämonen nicht einladen in Eure Welt ..."

Bürgermeister: "Es gibt doch auch Geisteskrankheiten ... und wie kann der Kleine die Dämonen abwehren, die von den Großen gerufen werden? Oder die Hölle, die er nie haben wollte?"

Hairflower: "Diese Probleme sind mir bewusst und ich kann sie in ihrer Allgemeinheit nicht lösen. ... Aber im hier und jetzt, stehe ich Euch bei."
...

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