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Hairflower 21

Hairflower und der Milliardär

Diskussion auf Wolke 7

Pfarrer Unheilig: "Der Glaube in mir, er ist nicht einfach verschwunden. Er ist aber anders als früher. Ich sehe Dich, Hairflower und Venus, eine griechisch-römische Göttin. Venus ist eine Legende, und Du, Hairflower, Du bist etwas Überraschendes, das in keine Tradition passt. Der Zweifel in mir an Gott ... er ist weg. Aber meine Vorstellung von Gott ... ich fühle mich wie Don Camillo."

Hairflower: "Der direkt mit seinem Gott kommunizieren konnte. Eine alte Geschichte. Es hat ihm nicht geschadet."

Bürgermeister: "Und ich bin dann wohl Peppone? Bin ich Kommunist? Ich weiß es selbst nicht so genau. Wie siehst Du uns, Hairflower? Sind wir winzige Kreaturen, die nichts von dem erreicht haben, was ihnen möglich gewesen wäre? Sind wir gescheitert?"

Hairflower: "Viele von Euch sind lernende Wesen. Daher mache ich mir kein endgültiges Urteil. Schwierig wird es, wenn Menschen glauben, ihr Seinszustand hätte bereits alles erreicht, was möglich ist. Oder wenn sie ihre Intelligenz zu reinem Lustgewinn verwenden. Dazu gehört auch das Verhalten, andere beherrschen zu wollen, zu quälen oder zu töten. Es ist nicht egal, wofür die Menschen ihre Intelligenz einsetzen. Wird sie verschwendet, so ist sie überflüssig. Die Natur sucht sich dann andere Alternativen.

Annabare: "Ich will niemanden beherrschen, quälen oder töten!"

Hairflower: "Neben den allgemeinen Beobachtungen, ihr habt auch Individualität. Individualität kann sich sehr unterschiedlich ausprägen. Sie kann aber auch vernichtet werden, von außen, ohne dass der Betroffene dafür verantwortlich ist.

Annabare: "Ja, das stimmt. Ich habe Angst vor dem, was andere alles mit mir anstellen könnten."

Hairflower: "Hier entscheidet oft der Zufall. Er kann auch Mächtige und Tyrannen vernichten, die sonst niemand mehr beseitigen könnte.

Ich aber sage Euch, das Denken jedes einzelnen Individuums ist wichtig. Es kann die Evolution beeinflussen.

Pilot: "Evolution? Du als Göttin glaubst an die Evolution? Aber ... glauben denn auch die Götter?"

Hairflwoer: "Ich glaube an Euch. Es ist anerkennenswert, wenn eine Spezies trotz aller Probleme versucht sich weiterzuentwickeln, und damit meine ich vor allem das Soziale in Euch. 

Zur Evolution. Das Vertrauen in die Evolution darf nicht absolut sein. Evolution muss nichts Neues hervorbringen, sie kann am Ende wieder zu einem Einzeller führen, wenn die Entwicklung des  Denkens die Selbstgefälligkeit nur stört."

Bürgermeister: "Das sind sehr allgemeine Formulierungen. Was hilft uns das im konkreten Fall?"

Hairflower: "Ihr habt Eure Intelligenz, um Entscheidungen fällen zu können. Und ihr habt die Möglichkeit zu kommunizieren. Damit könnt Ihr Eure Gedanken dahingehend überprüfen, ob sie etwas Sinnvolles hervorgebracht haben oder nicht."

Bürgermeister: "Und wenn die möglichen Alternativen alle fehlschlagen könnten?"

Hairflower: "Woran denkst Du, Bürgermeister?"
...

Bürgermeister: "Wir haben soziale Probleme, die uns über den Kopf wachsen. Abwanderung von Menschen, Verlust von Arbeitskräften. Perspektivelosigkeit der Jugend. Schrumpfende Bevölkerung. Als Ausgleich gibt es eine Migration von Vielen aus armen Ländern, deren Erwartungen wir nicht erfüllen können. Sie vergrößern die Armut im Lande. Wie sollen wir sie integrieren, wenn wir für die eigene Bevölkerung kaum noch etwas tun können?  Wenn wir die Probleme ansprechen, werden wir als rassistisch deklassiert. Es gibt keine rationale Diskussion über die Probleme, nur politische Standpunkte. Durch den Verlust von Einnahmen können wir die Sozialstruktur kaum noch finanzieren. Das Land verödet und wir müssen unsere Ressourcen verschwenden. Es droht die Abholzung der Wälder, der Ausverkauf von Kulturgütern, das Schließen kultureller Einrichtungen. Und wenn der Staat seine Polizei nicht mehr finanzieren kann, aber der Zorn der Bevölkerung immer größer wird, es gibt genug negative Beispiele, wie sich das auswirken kann."

Hairflower: "Ich spreche jetzt sehr allgemein. Nicht alles habt ihr persönlich zu verantworten, aber von vielen Dingen profitiert, ohne sie zu hinterfragen. Euer Reichtum beruht zu einem großen Teil auf der billigen Verwertung von Ressourcen anderer Länder. Wenn die Menschen dort nichts mehr zum Leben haben, wohin sollen sie sich wenden? Die Waffenexporte der Regierung, und das unkontrollierte Verwerten fremder  Ressourcen durch die Industrie der reichen Länder verschlimmern das Elend. Sie erhalten die Arbeitsplätze im eigenen Land. Was erwartet ihr von mir? Soll ich einen Grenzzaun errichten? Oder die Menschen dort in ihrem Elend verhungern lassen? Soll ich Wundertaten vollbringen, damit es Euch weiterhin gut geht?"

Pilot: "Ein Geldspeicher a la Dagobert Duck ... oder mehrere davon ..."

Annabare: "Nun ist es aber genug!"

Bürgermeister: "Ich habe nicht die Macht, politische Entscheidungen zu fällen, die über meinen Bereich hinausgehen."

Hairflower: "Du siehst die Verantwortung für das Geschehen bei der Elite der Gesellschaft. Die Reichen und Superreichen propagieren ein ständiges Wirtschaftswachstum, meinen damit aber im Wesentlichen das Wachstum ihres eigenen Vermögens. Raffgier scheint grenzenlos zu sein. Dies ist Deine Sicht der Dinge. Aber ihr wisst doch, was eine Revolution für Konsequenzen haben kann. Das ungebremste Ausleben von Gewalt ist für viele wie ein Rausch und eine Befreiung von den alltäglichen Zwängen. Ich werde keine Revolution anführen und ich werde Euch keinen Reichtum herbei zaubern. Aber ich kann etwas für Euch tun."

Der Milliardär

Milliardär Ochsenknecht genoss seinen Nachmittagskaffee. Alt war er geworden, heute feierte er seinen 89. Geburtstag. Eigentlich gab es nichts mehr zu feiern, alt werden war nichts Schönes, das man zelebrieren musste. Er feierte zusammen mit seiner Frau Helene, die gerade mal drei Jahre jünger war.

War sein Leben schön gewesen? Er hatte vieles erreicht, aber sich dabei auch verbrannt. Nun kam die Zeit der Besinnlichkeit. Was sollte er mit seinem Vermögen anfangen, wenn die Zeit reif war, für die ewige Ruhestätte? 57 Milliarden Währungseinheiten. Vielleicht sollte er sie spenden, an Bedürftige oder an eine Wohltätigkeitsorganisation. Das war wohl das Einfachste, dann brauchte er sich um nichts mehr zu kümmern.

Nachkommen hatte er keine, dafür war zu wenig Zeit geblieben. Und sonstige Verwandte? Die waren eher entfernt. Direkte Geschwister hatte er keine. Er wurde als Einzelkind geboren. Daher gab es auch keine Neffen, Nichten, an die es etwas zu vererben gäbe. Und mit dem Geld eine Pyramide als Grabstätte bauen, nein, das wollte er nicht.

Die Verwandtschaft seiner Frau. Dort gab es Einige, die auf das Erbe warteten. Aber sollte nicht jeder für sich selbst erwirtschaften, was er zum Leben brauchte?

Johann: "Herr Ochsenknecht, draußen am Brunnen vor dem Tore steht eine junge Frau, die Sie gerne sprechen möchte. Sie hat sehr lange Haare. Ihr Name ist Hairflower."

Johann wusste um die kleinen Liebhabereien seines Herrn. Herr? Na ja, als Sklave fühlte er sich nicht. Er war Butler aus einer Familientradition heraus, die 800 Jahre zurück reichte.

Das machte Ochsenknecht ein wenig neugierig, obwohl er doch schon sehr müde war. Lange Haare hatte er immer gemocht, auch wenn es sich für ihn nicht ziemte und Helene? Ja, sie hatte immer noch knielange Haare, trotz ihres hohen Alters. Es gab auch extra zwei Bedienstete, die ihre Haare versorgten.

Wenn man reich war, ließ sich vieles gestalten.

"Johann, bitte Sie zu mir."
...

Hairflower, so sah sie auch aus. Eine Rapunzel, die ihre Haare um sich herum gewickelt hatte.

Ochsenknecht: "Ich begrüße Sie, Hairflower. Ihr Erscheinungsbild macht mich ein wenig glücklich. Ich habe nicht mehr geglaubt, dass lange Haare für die heutige Jugend noch so eine Bedeutung haben könnten."

Hairflower: "Ich grüße Sie, Herr Ochsenknecht. Ich bin nicht so jung, wie ich aussehe und  auch sonst anders als die Allgemeinheit. Meine Haare, sie symbolisieren das Leben in mir. Ich liebe sie."

Ochsenkencht: "Es freut mich, dass Sie Ihre Haare lieben. Sie machen mich neugierig. Haben Sie ein besonderes Anliegen für Ihren Besuch?"

Hairflower: "Ich kenne ihre Gedanken und ich möchte Ihnen ein Angebot machen."

Ochsenknecht: "Meine Gedanken? Sind sie telepathisch begabt?"

Hairflower: "Mehr als das. Ich gebe Ihnen einen Beweis. Denken Sie einfach nur, ohne dass Sie Ihre Gedanken aussprechen. Ich werde darauf telepathisch antworten."

Ochsenknecht: << Sie sind mehr als ein einfacher Bittsteller. >>

Hairflower: << Ja, das bin ich. Ich möchte Sie mit jemandem bekannt machen, ihr Name ist Hebe. >>

Ochsenknecht: << Hebe? Wenn ich unsere Art der Kommunikation zugrunde lege, ist das wohl mehr als nur ein Name. >>

Hairflower: << Sie ist eine Legende und ich kann Legenden Wirklichkeit werden lassen. >>

Ochsenknecht: < Hebe, sie machen mir ein Angebot für eine neue Jugend? >>

Hairflower: << Und für ihre Frau. Ich möchte Sie nicht allein lassen. >>

Ochsenknecht: << Und ... was verlangen Sie dafür? Ich möchte nicht in die Rolle eines Faust geraten. >>

Hairflower: << Ich bin nicht der Teufel. Oder haben Sie hier einen Pudel herum laufen sehen? Mir geht es um einen Neubeginn, für Sie und für andere, denen Sie helfen könnten. Und was den Faust betrifft, ihre Helena haben sie ja schon. >>

Ochsenknecht: << Wenn ich ihre Wünsche ablehne, ist Hebe dann für mich gestorben? >>

Hairflower: << Nein, es ist ihre Entscheidung, sie muss freiwillig getroffen werden. Wenn Sie es nicht wollen, dann können Sie als Zwanzigjähriger eine eigene, neue Karriere starten. Zusammen mit Ihrer Frau. Ich glaube aber nicht, dass sie meine Wünsche ausschlagen werden. >>
...

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